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SÜSSIGKEITEN IM ÜBERFLUSS

Die Faschingszeit läuft an und neben Krapfen (auch Berliner oder Krebbel genannt), werden einem bald im wahrsten Sinne des Wortes Bonbons und andere Süßigkeiten hinterhergeworfen.

Dazu gibt es in dieser närrischen Zeit natürlich auch viel Alkohol und süße Cocktails. Ach, ist das gesellig. Wer kann da schon widerstehen?

Warum soll man auch wiederstehen? Es gehört (in Deutschland zumindest) ja zur Jahreszeit wie Ostern und Weihnachten auch. Da sagt ja auch keiner was gegen Oster-Schoki oder Weihnachtsplätzchen. Es gehört halt dazu. (Sagt der Schweinehund zum Vorsatz-Engel)

 

WER KANN DA SCHON WIEDERSTEHEN?

Was ist da mit unseren Jahresvorsätzen los? Kaum steht das nächste „Jahresereignis“ an – Geburtstage, Einweihungen oder kalendarische Feste wie Fasching oder Ostern – so werfen wir unsere Disziplin meist über Board, weil es uns unmöglich erscheint dem ganzen Überfluss und Angebot an Leckereien zu entsagen. Oftmals auch, weil wir in Mitten unserer Familie und Freunde nicht lange darüber diskutieren möchten, warum man denn nun ausnahmsweise mal nicht den leckeren Schokoladenkuchen seiner Mutter essen mag…. „Den habe ich extra für Dich gebacken, weil Du den doch immer so gerne magst.“, sagt dann vielleicht Deine alte Mutti enttäuscht.

WER kann da bitte hart und diszipliniert bleiben? Also ehrlich! Ich habe nun mal ein großes Herz und deshalb ESSE ich diesen Kuchen – mit ca. 5 Broteinheiten das Stück! (Puuuuhhhhh)

 

GELÜSTE

Viele von uns kämpfen unentwegt gegen ihre Zucker-Gelüste an. Mich erwischt es am meisten, wenn ich unterschlafen und gestresst bin. Also quasi immer. Dazu kommt noch, dass ich unglaublich schlecht darin bin, mir selbst Dinge zu verbieten, die mir so gut schmecken und mir (vermeintlich) guttun. Beispielsweise Kaffee mit Milch und ein kleines mini-Löffelchen Zucker….

Darüber hinaus habe ich kleine Kinder, denen ich durchaus das Naschen erlaube. Ich denke immer, wenn ich es in den Alltag einbinde, dann vermeide ich diesen immensen Heißhunger darauf eines Tages. Ob ich da richtig liege?

Wenn es nicht immer ein Kampf wäre, die „Zucker-Dosierungen“ für die Kids zu regulieren. Bereits hier schlägt die Zuckersucht nämlich voll durch. „MEEEEHR“, schreien die Kleinen und toben wutentbrannt, wenn man ihnen diesen Wunsch nach einer Zugabe nicht nachkommt.

Was predigen wir Eltern dann? „Schatzi, damit soll man nicht übertreiben. Süßigkeiten sind absolut nicht gesund. Sie machen Deine Zähne kaputt und machen Dich obendrein dick.“

Echt jetzt??? Was sind wir nur für Schlaumeier unseren Kindern gegenüber. Uns selbst sollten wir an der Stelle mal fragen, was wir tun können, um von unserer Zuckersucht loszukommen?

 

DIE „ZUCKER-SUCHT“

Wir haben schon oft leichtfertige Aussagend darüber gehört, dass Zucker wie eine Droge ist. Wir wissen genauso gut, dass irgendwelche Prozesse im Gehirn angefeuert werden, wenn wir Süßes genießen. Wissenschaftlich ausgedrückt, regt Zucker die Produktion des Botenstoffs Dopamin an.

Kaum zu glauben, aber harte Drogen wie Heroin oder Kokain haben dieselbe – wenn auch viel massivere Wirkung – wie Zucker.

Sicherlich haben die meisten unter uns ebenfalls schon mal davon gehört oder gelesen, dass Dopamin die sogenannten Belohnungszentren im Gehirn aktiviert. Das ist der Grund, warum wir den Kampf gegen unseren „Schweinehund“ so oft verlieren und immer wieder zu zuckrigen Speisen und Getränken greifen.Wie bei harten Drogen auch, kann häufiger und hoher Zuckerkonsum unserem Körper schaden.

Wenn wir all‘ das wissen, warum bemühen wir uns nicht um einen „Entzug“? Vor allem aber: Warum lassen wir es zu, dass unsere Kinder in die gleiche „Zucker-Abhängigkeit“ geraten?

 

 

ZUCKERKONSUM ALS DIABETIKER

Ja, ja, ich weiß! Viele unter Euch – vor allem die „nicht-Diabetiker“ – denken jetzt vielleicht „Worüber schreibt Vivi da? Sie ist Typ 1 Diabetiker und sollte ihren Zuckerkonsum nach über 15 Jahren nun wirklich kontrollieren können!“

Nun, vielleicht geht es einigen von Euch ja ähnlich: Im ersten Jahr nach meiner Diagnose war ich sehr diszipliniert, was Essen anging. Ich habe es genauso gemacht wie in der Diabetes-Schulung: brav alle Packungsbeilagen und Nährwerttabellen gelesen, exakt berechnet und kalkulatorisch korrigiert, absolut nicht genascht. Bei Unterzuckerung genau 1 Glas Saft oder 2 Blättchen Traubenzucker zu mir genommen und geduldig gewartet bis das fast ohnmächtige Gefühl des Kontrollverlusts vorüberzog.

Irgendwann habe ich dann auf einem Geburtstag nicht wiederstehen können und ein kleines Stück Kuchen genascht. Nach erfolgreichem Spritzen und keinerlei „Nebenwirkungen“ bemerkte ich, wie wunderbar ich doch ALLES – ja einfach ALLLLLLLEEEES – essen kann.

Zu Beginn waren es seltene Ausnahmen. Irgendwann im Laufe der letzten zehn Jahre jedoch schlich sich der bekannte „Schlendrian“ ein.

„Wichtig ist, dass der Hba1c passt und ich meine Naschereien korrekt zu bespritzen verstehe“, redete ich mir ein. So griff ich gerade im Unterzucker-Rausch immer wieder gerne zu den „hardcore-Fressalien“ anstatt zu den gelernten Hypo-Helfern der damaligen Reha.

Dass das auch mal schief ging und ich vom Unterzucker in den krassesten Überzucker schnellte, kam (und kommt leider) ab und an vor.

Mit der Verantwortung meiner Kinder gegenüber jedoch, mache ich mir das alles heute wieder bewusst. Mein 10 Monate altes Baby zum Beispiel hat überhaupt kein Verlangen nach Zucker. Ihr reicht die natürliche Süße einiger Lebensmittel. Oft stelle ich mir vor, was bzw. wie intensiv sie das wohl schmeckt. Das sind Momente in denen ich mir bewusst werde, dass ich von Zucker weg will.

Es ist gesünder für jeden! Aber seien wir ehrlich: Für uns Diabetiker ist es von besonders hohem Wert. Unsere Gesundheit ist bereits beeinträchtigt. Wir wissen wie wertvoll eine gute Gesundheit ist. Was würden wir drum geben, KEIN Typ 1-Diabetes zu haben. Diese Wahl wurde uns genommen. Doch wir haben immer noch die Möglichkeit unser „Drum herum“ gesund zu gestalten und damit noch mehr Krankheiten aus dem weg zu gehen, die Zuckerkonsum verursachen könnte.

 

ZUCKER MACHT KRANK

Problematisch wird der Zuckerkonsum erst, wenn wir es übertreiben. Das tun die meisten von uns jedoch tagtäglich, denn in vielen Lebensmitteln – vor allem in industriell hergestellten – steckt viel “unsichtbarer” Zucker.

Dieser zugesetzte Zucker ist das Problem. Er macht nicht satt, liefert aber viele Extra-Kalorien, die der Körper nicht braucht und als Fettpolster speichert.

Ob es der klassische Kampf mit dem Körpergewicht ist oder höhere Blutzuckerwerte – wir kämpfen alle mit dem Zuckerkonsum – ob bewusst oder unterbewusst.

Was ich nicht wusste, aber im Laufe meiner Recherche immer wieder lesen konnte ist, dass der Zucker unserem Darm schadet, denn der Zucker wirkt unmittelbar auf unsere Darmflora. Zucker ist nämlich die Leibspeise bestimmter Darmbakterien. Ist unser versteckter Zuckerkonsum hoch, können diese Darmbakterien der Darmschleimhaut schaden und mit ihr unzähligen, dort befindlichen Immunzellen.

Die Folge sind häufigere Infekte, die bei Diabetikern wiederum zu hohen und schwer regulierbaren Blutzuckerschwankungen führen können.

Das fiese an diesen Zucker-Bakterien ist, dass sie unsere Lust auf Süßes verstärken, weil sie ihre eigene Nahrungszufuhr sicherstellen möchten. Unsere „Zucker-Dämonen“ sitzen damit nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm. Es ist also wirklich nicht gelogen, wenn wir sagen, es fällt uns schwer Süßem zu wiederstehen. Wir kämpfen da gegen Mächte an, die in uns drinsitzen und an Rezeptoren schaben, deren Kontrolle wir vermutlich bereits als Kinder abgegeben haben!

 

DIE INSULIN FALLE

Auf dem Weg aus der Zucker-Sucht spielt Insulin eine große Rolle. Wie wir Diabetiker wissen, ist Insulin unser fehlender Botenstoff, der dafür sorgt, dass der Zucker im Blut in die Zellen transportiert und dort abbaut.

Ist unser Insulin zu schnellwirkend oder spritzen wir zu viel auf das konsumierte Süße, dann geraten wir in eine Unterzuckerung. Ausgerechnet dann führen wir den altbekannten Überlebenskampf gegen das Gefühl, gleich wieder zu etwas Süßem greifen zu müssen.

Wer der Zuckersucht entkommen und nicht in die Insulin-Falle tappen will, sollte also auf Lebensmittel setzen, deren Zucker langsam und häppchenweise in Energie umgewandelt wird.

 

 

WEGE AUS DER ZUCKERSUCHT

Darmbakterien, Insulin, Botenstoffe im Gehirn: Der Zuckersucht zu entkommen ist nicht leicht, weil an vielen Stellen in unserem Körper Zucker eine große Rolle spielt.

Nichtsdestotrotz: Es ist es möglich, die Zuckersucht loszuwerden. Viele meiner nachfolgenden „Weisheiten“ habe ich von Jennifer Fritz, Ökotrophologin und Ernährungsberaterin aus Düsseldorf.

 

1. Halte den Blutzuckerspiegel konstant

Dazu zählen zuckerarme, aber ausgewogene Mahlzeiten aus Fetten, Eiweiß und komplexen Kohlenhydraten.

Gemeinsam mit meinen Kindern bereite ich mir zum Frühstock beispielsweise oftmals einen Porridge zu. Das ist wirklich eine gute Grundlage. Wenn man zuerst das Obst im Wasser dünstet, bevor man Haferflocken und Nüsse hinzufügt, wird es sogar richtig süß. Das gedünstete Obst hat nämlich Saft gezogen und das süßt das gesamte Essen.

 

 

2. Tauschen Sie Weiß gegen Braun

Weißmehl ist in seiner Wirkung auf den Insulinspiegel fast gleichzusetzen mit Zucker. Die darin befindlichen Kohlenhydrate werden im Verdauungsprozess in Zucker umgewandelt und ins Blut abgegeben. Auf dem Weg in den Zuckerverzicht sollten wir also unbedingt hierauf verzichten.

 

 

3. Verzichten Sie auf Süßstoff

OH MY GOD. Das ist das aller schlimmste für mich. Süßstoff ist tatsächlich bisher meine „Haupt-Zucker-Alternative“ gewesen. Ob in Smoothies, Kaffee, Tee, in Joghurts oder Quark….ich habe es einfach ÜBERALL benutzt.

Gegen ein Light-Lebensmittel ab und an ist nichts zu sagen. In größeren Mengen und regelmäßig aufgenommen, ist Süßstoff jedoch keine gute Alternative zu Zucker, habe ich lernen müssen.

Warum? Süßstoff ist eine Mogelpackung: Rezeptoren auf unserer Zunge melden dem Gehirn, dass etwas Süßes gegessen wird. Bei gesunden Menschen produziert die Bauchspeicheldrüse hier sogar Insulin. Dem entgehen wir Diabetiker zwar an der Stelle, doch das Gehirn und der Darm bekommen nicht den echten Zucker, der sie „befriedigt“.

Das Ergebnis: Süßstoff steigert den Hunger auf Süßes!

Vanille, Bananen und Kokosnuss(-milch oder -raspeln) sind an dieser Stelle Süßungsalternativen, die ich nun vermehrt ausprobieren werde

 

 

4. Gesunde Naschereien auswählen

Trockenfrüchte oder zartbittere Schokolade – das sind Süßigkeiten, die zwar auch Zucker enthalten, aber dazu auch noch Ballaststoffe, Bitterstoffe oder andere gesunde Anteile. Der darin enthaltene Zucker ist also besser “verpackt” und geht darum nicht so schnell ins Blut. Mit solchen Naschereien dürfen wir unseren Hunger auf Süßes ruhig befriedigen.

Meine Neuentdeckung für meine Kids und mich sind PURA FRUTA Riegel von HIBA.

Diese Riegel sind aus frischen Früchten gemacht und schonend getrocknet. Es sind wirklich KEINE versteckten Zucker enthalten! Keine Pürees, kein Reismehl oder Saftkonzentrate. Die Riegel haben sogar dieselben Nährwertangaben wie die frischen Früchte selbst.

Es gibt die Riegel in verschiedenen Sorten: Baby Banane, Ananas, Mango und Multifrucht. Der Riegel ist perfekt für unterwegs, wirkt auch gegen Unterzuckerungen optimal und zerschnitten kann man diese in Joghurts, Quarks und sogar in Kuchen genießen oder als Topping des Kuchen (sozusagen als Gummibärchen-Alternative). (P.S. Ich erwähne hier Kuchen nur, weil meine Tochter bald Geburtstag hat und ich mir ernsthaft Gedanken darüber mache, wie viel Zucker ich den Kids da anbiete.)

(*PURA FRUTA Riegel finde ich so gut, dass Ihr diese ab jetzt auch in meinem Dia-Lifestyle Shop erhalten könnt!)

 

 

6. Geben Sie nicht jedem Schmacht gleich nach

Nach dem Mittagessen brauchen viele sofort etwas Süßes. Alles, was hiergegen zu helfen schein ist ablenken und abwarten. 

Meine top-Ablenkungsmanöver: Wasser trinken, Bewegung (um den Block laufen), frische Luft, Zähneputzen oder notfalls ein hart-gekochtes Ei essen.

 

 

 

7. Essen Sie sich regelmäßig richtig satt

Satt essen ist wichtig, wenn man die Zuckersucht besiegen will. Am besten klappt das mit Mahlzeiten, die reichlich Eiweiß, Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate enthalten – wie sie zum Beispiel in Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten stecken. Wer sich morgens oder mittags nicht satt isst, läuft große Gefahr, das Nachmittagstief mit Schokolade oder Kuchen zu füllen.

 

 

8. Trinken Sie weniger Kaffee und Alkohol

Hier kommt meine nächste Schreck-Feststellung: Koffein in Getränken wie Kaffee bewirkt, dass wir Lust auf Zucker bekommen. Oh man…., ich glaube, ich werde die bevorstehende Fastenzeit darauf verwenden, einen Kaffeeentzug zu machen. Auch Alkohol führt allem Anschein dazu, dass wir Verlangen nach Süßem entwickeln.

 

 

9. Essen Sie Bitteres und Proteine

Bitterstoffe im Essen hemmen die Lust auf Süßes: Minze, frische Kräuter, Zimt oder Walnüsse enthalten aber Bitterstoffe und dämpfen den Appetit auf Zucker.

Proteine (Eiweiß) wirken langanhaltend sättigend, weil sie langsamer verdaut werden. Außerdem enthalten manche Eiweiße Aminosäuren (Tryptophan und Tyrosin), die an der Bildung der sättigenden Hirnbotenstoffe Serotonin und Dopamin beteiligt sind.

 

 

10. Reduzieren Sie bewusst Ihren Stress (Blog-Thema der letzten Woche)

Da Zucker aufgrund der im Gehirn stattfindenden Serotonin-Produktion beruhigend wirkt, gelten gestresste Personen als besonders gefährdet. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol schüren die Lust auf Zucker und Fett und fördern die Fettspeicherung. Achten Sie deshalb auf feste Esszeiten und Auszeiten. Auch stressreduzierende Kräuter wie Rhodiola oder Baldrian können dazu beitragen, ausgeglichener zu leben.

 

NEBENWIRKUNGEN

Noch weiß ich es nicht selbst. Allerdings kann man viele Erfahrungsberichte online nachlesen von Menschen, die es geschafft haben, auf Zucker und zuckerzugesetzte Produkte zu verzichten. Die scheinbar größten Gewinne sind:

  1. Bessere Haut
  2. Gewichtsreduktion
  3. Kein Verlangen nach Süßkram
  4. Nicht mehr so müde

 

Ich will es nun auch wirklich selbst wissen und erfahren! Vom klassischen Fasten halte ich nichts – darüber erscheint kommende Woche auch ein toller Gastbeitrag. Doch ich finde es sehr wertvoll, eine gewisse Zeit auf etwas zu verzichten, was einem schwer fällt bzw. wonach man scheinbar süchtig ist. Dieses spannende Selbstexperiment werde ich demnach während der Fastenzeit – also ab Aschermittwoch bis Ostern – mit zwei Dinge ausprobieren: Zucker und Kaffee.

 

Wollt Ihr mitmachen?

Denkt mal darüber nach und schreibt mir 🙂

Eure Vivi