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Charity-Rückblick: Wie alles begann

 

Warum Zadar?

 

Seit über acht Jahren fahre ich zum Sommerurlaub in die Umgebung der venezianische Hafenstadt Zadar in Süd-Kroatien.

Vor einem Jahr stellte ich in einem beiläufigen Gespräch fest, dass alte Bekannte rund 50 Blutzuckermessstäbchen pro Monat zur Verfügung hatten, um ihren Diabetes einzustellen. Das entspricht ungefähr meiner Wochenration.

Bei Mehrbedarf müsse man sich die zusätzlichen Hilfsmittel dazu kaufen, hieß es. Ein kleiner Karton mit 50 Blutzuckermessstäbchen kostet rund 30 €. Bei einem Durchschnittseinkommen von ~400 – 700 € / Monat, setzen die betroffenen Familien andere Prioritäten als das Geld für Medizin und Hilfsmittel auszugeben.

Die Aufklärung über Diabetes und seine Spätfolgen scheint in Kroatien – schichtunabhängig – fast nicht vorhanden.

So wird in vielen Familien – vor allem in den Peripherien Kroatiens – die Diabetes-Erkrankung als nebensächlich abgetan. Mögliche Spätfolgen werden lapidar zur Seite geschoben. Das betroffene Diabetiker/innen dadurch vielleicht eine verkürzte Lebenszeit erleiden, wird „unter Übel“ in Kauf genommen.

Nicht selten wird eine schwerwiegende Erkrankung wie Diabetes als „Entscheidung Gottes“ hingenommen.

 

Innenstadt Zadar. Abbildung der römisch-katholischen Kirche des Heiligen Donat

 

 

Mangelnde Aufklärung und Akzeptanz

 

Fast noch schlimmer empfand ich die Tatsache, dass es Typ 1-Kindern in kroatischen Schulen und Universitäten trotz Diabetes-Aufklärung durch die Eltern oder Diabetes-Organisationen wie „udruga cukrićiNICHT erlaubt ist, ihre Diabetes-Utensilien im Unterricht mitzuführen. Darüber hinaus dürfen sie ferner auch den Unterricht keinesfalls verlassen, um ihren Zucker zu kontrollieren oder zu korrigieren.

Eine betroffene Familie erzählte mir, dass ihre Tochter unterzuckert eine Aufnahmeprüfung schreiben musste. Die Lehrer und Schulbehörde wurden zwar im Vorfeld über den Diabetes und seine Gerätschaften aufgeklärt, sie wollten dennoch vorbeugen, dass man sich mit einem Blutzuckermessgerät oder einer Insulinpumpe im Internet einwählen und Ergebnisse abfragen könne.

 

Typ 1- „Diabetes Warrior“: Doris Bailo mit ihrer Tochter Elin

 

 

Partnerschaft mit Udruga Cukrići

 

Nachdem ich über verschiedene „Diabetes-Problematiken“ aus der Region Zadar ausführlich informiert war, hatte ich den Drang etwas zu tun. Ich wollte kein „touristischer Zuschauer“ meiner Leidensgenossen sein.

Mir war klar, dass ich gerne Charity-Pakete zusammenstellen wollte, um betroffenen Familien eine Freude zu machen und eine weitestgehend sorgenfreie Weihnachtszeit zu bescheren.

Vielmehr noch wollte ich ein Zeichen setzen. Ich will nicht jedes Jahr in ein Land reisen und mich an dessen Schönheit bereichern, wenn meine Leidensgenossen vor Ort zur selben Zeit ums Überleben kämpfen.

Zunächst hatte ich jedoch keinen Anhaltspunkt und keine Ahnung, wie ich die vielen, bedürftigen Diabetiker-Familien ausfindig machen sollte, denen ich doch so gerne helfen wollte.

Ein guter, alter Freund von mir – selbst Kroate und Priester –  half mir spontan und telefonierte für mich in Kroatien herum. Von der Caritas in Zagreb erhielten wir schließlich den Kontakt zu Doris Bailo, Präsidentin des Diabeteszentrums von Zadar, „udruga cukrići„. Dies ist eine Organisation, die über Diabetes aufklärt und Typ 1-Diabetikern aus Zadar bei all‘ ihren Vorhaben unterstützt.

Doris, die wie ich Typ 1-Diabetikerin und Mutter zweier Kinder ist, war von Beginn an eine große Unterstützung. Während ich aus Deutschland heraus innerhalb drei Monate Sponsoren zusammen trommelte, organisierte sie parallel ein Aufklärungs-Event für Diabetes auf dem großen Marktplatz in Zadar mit entsprechender Publicity.

 

Doris Bailo von Udruga Cukrici

 

 

Charity Pakete

 

Aller Anfang ist schwer

 

Der Schriftsteller  A. J. Cronin schrieb 1948 einen Artikel über den „Wendepunkt seines Lebens“. Dort hielt er folgendes fest: „Der tiefe Sinn alles schöpferischen Erfolges, liegt in dem Siege über sich selbst. Alle, die diesen Sieg kennen, werden niemals eine Niederlage erleben.“

Es mag weit hergeholt klingen, aber ich nahm mir diesen Satz als Ansporn, um mein Ziel und mein Versprechen dem Diabeteszentrum „udruga cukrići“ gegenüber – trotz einem zahnenden Baby, einer trotzenden dreijährigen, schlaflosen Nächten und unzähligen Unterzuckerungen – zu halten.

Es mangelt den Menschen in den Peripherien Kroatiens besonders an Blutzuckermessgeräten und Messstäbchen – dem Fundament für einen gut eingestellten Diabetes.

Ich wußte aus eigener Erfahrung, dass in Deutschland Apotheken und Ärzte häufig Testgeräte mit Blutzuckermessstäbchen von den Pharmavertretern erhalten. Zudem dachte ich an alle Frauen da draußen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten. Sie werden hervorrgand versorgt, aber die Messgeräte und -stäbchen werden nur temporär benötigt.

Meine Aktion würde noch mehr bedürfen:

  • schöne, „nebensächlichere“ Dinge, die Diabetiker neben ihren notwendigen Hilfsmitteln überrascht und freut.
  • Kartons zum Verpacken
  • Eine Transport-Möglichkeit, um die Pakete innerhalb Münchens und von München nach Zadar zu transportieren.

Doch wie sollte ich es schaffen, da ran zu kommen?

 

 

Die Zugpferde der Kampagne

 

mysugarcase-Diabetestaschen

 

Es wurde mir klar, dass ich als Einzelperson (in Elternzeit) die Anzahl meiner geplanten Spendenpakete konkretisieren und eingrenzen musste, um mir und allen Beteiligten ein schaffbares Ziel zu setzen.

Jede Hilfe – egal wie klein – ist wertvoll. Wenn man sich selbst überfordert, bringt das nichts und niemanden was!

Da ich selbst aus dem Vertrieb komme, war mir  klar: Ich brauche (mindestens) ein „Zugpferd“. Unternehmen, die bekannt sind und für andere ein Motivator darstellen, mitzumachen.

 

 

Zu Beginn meines Blogs hatte ich ein Interview mit Maren Schinz von mysugarcase. Maren ist in der Diabetes-Szene sehr etabliert und hat ein sehr soziales, liebenswürdiges und offenes Wesen. So rief ich sie kurzer Hand an und erzählte ihr von meinem Vorhaben. Sie war begeistert und sicherte mir ihre Unterstützung mit 100x ihrer Diabetestaschen zu.

Damit hatte ich den ersten Eckpfeiler: 100x mysugarcase-Diabetestaschen! Diese galt es nun mit Leben zu füllen.

 

100x mysugarcase-Diabetestaschen galt es für die Charitiy Initiative zu füllen.

 

 

Travelzoo

 

Parallel fragte ich meinen Arbeitgeber Travelzoo, ob die Möglichkeit bestünde, mich in irgendeiner Form zu unterstützen – beispielsweise in der Publikation meiner Berichterstattung über diese Charity Aktion.

Travelzoo  ist ein globales Media Commerce Unternehmen mit mehr als 28 Millionen Mitgliedern weltweit. Wöchentlich präsentiert Travelzoo die „Top 20 besten Travel-Deals“, die alle von Reise-Redakteuren akribisch recherchiert und geprüft werden. Jedes Jahr unterstützt Travelzoo ein soziales Projekt tatkräftig – also in Form von „manpower“.

Das Glück war mit mir – oder besser gesagt, die überaus aufgeschlossene Geschäftsführung und Teamleitung von Travelzoo!

 

Travelzoo München unterstützte Vivis Sugar Boot Camp mit viel „Manpower“

 

Travelzoo sicherte mir zu, mich einen Vormittag bei der Telefonakquise zu unterstützen, um ausreichend Blutzuckermessgeräte und Zubehör einzusammeln. Ferner würden auch alle Charity-Pakete vom Travelzoo-Team in München am Ende verpackt werden. Sogar einen Artikel über diese Charity Initiative würde man zu Weihnachten auf der Webseite platzieren können.

Mit diesen zwei Unternehmen im Rücken lief ich gestärkt los. Mit eisernem Willen, unermüdlicher Ausdauer und absoluter Begeisterung über meine fixe Idee, rannte ich mit Kinderwagen strahlend durch München, um Messgeräte einzusammeln. Ich telefonierte im Gehen mit vielen weiteren Unterstützern aus der Diabetes-Szene, denen ich nun gesondert meinen Dank aussprechen möchte.

 

 

 

Die notwendigen Inhalte der Charity Pakete

 

Da ich selbst aus München bin und derzeit mit einem kleinen Baby nur regional „einsatzfähig“ bin, konzentrierte ich mich in meiner Akquise von Sachspenden – ganz nach der Devise „keep it simple“ –  zunächst auf meine Heimatregion.

Viele Ärzte und Apotheken unterstützen mich mit ihren Lagerbeständen bestehend aus Blutzuckermessgeräten, Blutzuckermessstäbchen, Stechhilfen, passenden Lanzetten, Traubenzucker, Diabetes-Tagebüchern und Kühlpacks.

 

Eine große Unterstützerin unter den Münchner Diabetologen, Frau Dr. Veronika Hollenrieder

 

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die Internationale-LudwigsApotheke. Diese Apotheke aus der Münchner Innenstadt setzte sich unglaublich stark für mein Vorhaben ein. Sie telefonierte herum und trug am Ende mit externer Hilfe 40% aller gesponserten Geräte zur Spende bei.

 

Internationale Ludwigs-Apotheke auf der Neuhauser Straße

 

Auch das überaus freundliche Team von Herrn Laves aus der Feilitzsch Apotheke bei der Münchner Freiheit sponserte rund 15% aller Sachspenden.

 

Feilitzsch Apotheke an der Münchner Freiheit

 

Der DM-Markt in der Kühbachstraße in München-Giesing sponserte das gesamte Geschenkpapier und über 500x Traubenzucker.

Tobias Seidel vom Groß- und Einzelhandel für Verpackungsmaterial „Gerbl & Schwarz“ stiftete alle 100x Kartin-Boxen als Grundlage für die Charity-Pakete.

 

Der Karton für unsere Charity Pakete entsprach einer DIN A 4-Box für Kopierpapier.

 

 

 

Der Weihnachtszauber der Charity-Pakete

 

Neben den notwendigen Hilfsmitteln, wollte ich die Charity Pakete mit „diabetischen Lifestyle-Produkten“ füllen. Die Pakete sollten einen „Geschenke-Charakter“ bekommen, der neben Erleichterung auch Freude schenkt.

Dazu zählten die feschen Unterhosen mit integrierter Insulinpumpentasche von Ruby Limes , die ballaststoffreichen Fruchtgummies „IFOs“ als gesunde „Hypo-Helfer“, der Steva-basierte Energy-Drink von Guampa und die hübschen Diabetes-Klebe-Tattoos von PepMeUp.

 

Das gefüllte Charity Paket (Traubenzucker wurde vor dem Verpacken noch üppig darüber gestreut)

 

 

3 Schutzengel für Vivi

 

Der Transport

 

Ungeahnt musste ich mich der größten Herausforderung noch stellen: Dem Transport der Charity Pakete innerhalb Münchens (ohne eigenes Auto) und schließlich von München nach Zadar.

Innerhalb Münchens gibt es eine „Car Sharing“ Organisation namens STATT AUTO. Ich bin auch privat Kunde, weil diese Firma eine große Flotte und ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis anbietet – insbesondere auch für Familien. Nach Formulierung meines Anliegens, erhielt ich umgehend die freundliche Zusage für einen Renault Mégane Kombi, in dem ich problemlos alle Charity Pakete unterbringen und in München von A nach B transportieren konnte.

 

STATT AUTO vor dem Siegestor in München

 

Da ich zwei kleine Kinder habe – davon eines nur wenige Monate alt – musste ich leider sehr früh davon Abstand nehmen, die Pakete selbst nach Kroatien zu fahren und zu übergeben.

Ich eruierte hin und her, schrieb unzählige Speditionen an, bis ich Flixbus kontaktierte. Flixbus zeigte sich sofort aufgeschlossen und hilfsbereit. Sie wollten mein Vorhaben sehr gerne unterstützen, waren jedoch aus versicherungstechnischen Gründen nur dazu befugt, wenn es eine Begleitperson für die Pakete an Board gäbe.

Mitten in der Nacht Anfang Oktober hatte ich dann eine Eingebung: Meine Mutter!

Meine Mutter ist Rentnerin, sehr reise- und unternehmungslustig. Wenn ich alles für sie organisiere – das Ein- und Ausladen der Pakete sowie eine Unterkunft vor Ort – würde sie mir sicherlich helfen, dachte ich mir.

 

Flixbus beförderte meine Mutter mit allen Charity Paketen nach Zadar.

 

 

Gesagt, getan!

Meine Mutter – mein 3. und größter Schutzengel – rettete schließlich meine Charity Aktion und begleitete die Charity Pakete für mich nach Zadar. Hier wurde meine Mutter unfassbar herzlich von dem leitenden Team des Diabeteszentrums „udruga cukrići“ begrüßt und in einem privaten Appartment in der Stadtmitte kostenfrei untergebracht!

 

 

Präsidentin des Diabeteszentrums: Doris Bailo mit meiner Mutter

 

Team des Diabeteszentrums Zadar

 

 

Ankunft und Verteilung zu St. Martin

 

Am 10. November 2018 organisierte das Diabeteszentrum „udruga cukrići“ ein großes Aufklärungs-Event in der Stadtmitte Zadars.

Hier wurden bei strahlendem November-Wetter und warmen 22°C Interessenten über Diabetes informiert. Der Blutzucker wurde bei Bedarf gemessen, gesundes Essen zum Probieren angeboten und meine Mutter verteilte im Namen von Vivi’s Sugar Boot Camp die mit Liebe gefüllten Charity Pakete!

 

Meine Mutter verteilt die Charity Pakete in Zadar

 

Zahlreiche Journalisten und Fernseh-Stationen waren vertreten und berichteten davon. Die Charity-Empfänger waren zu 50% junge Typ 1-Diabetiker/innen. Meine Mutter berichtete mir von Müttern betroffener Typ 1-Kinder, die ihr mit Freudentränen der Dankbarkeit literweise Olivenöl, Honig und Getöpfertes schenkten.

 

Freudige Typ 1- Diabetikerinnen aus Sibenik

 

 

„Nicht weit vom Glücklichsein steht das Glücklichmachen“

 

 

Vielen Dank nochmal an alle Helfer und Sponsoren. Lieben Dank auch an alle privaten Spender wie Kevin Röhl, Sascha Schworm, Isabell Spiering und Katharina Schmitz.

 

Einen frohen und gesegneten Advent Euch allen!

 

Eure Vivi

 

Vivi mit Baby während der Packaktion bei Travelzoo