Ramona

Eine der gefragtesten und polarisierendsten Typ 1-Diabetikerinnen in diesem Jahr ist Ramona Stanek. Sie ist Bloggerin auf Ihrer Webseite „Tattoos, Travel, Type One“ und Repräsentatin des neuen Dexcom G6. Neben Ihrer ausgefüllten Reiselust und Ihren Hang zu ästhetischen Tattoos, experimentiert Ramona sehr gerne mit Ihrem Typ1 Diabetes.

So ging sie erst kürzlich als Pumpenträgerin OHNE Pumpe auf Safari nach Südafrika und berichtete faszinierend von Ihrer temporären neuen Freiheit.

Es gibt vieles, was Ramona interessant und einzigartig macht. Definitiv ein weiteres Idol der Diabteswelt und damit ein weiteres Interview aus meiner Reihe „Diabetiker-Persönlichkeiten“.

 

Ramona Stanek

 

 

Das Interview

 

  1. Du warst 8 Jahre als Du an Diabetes erkrankt bist. Welche Symptome hattest Du?

Ramona: „Bei mir waren es die ganz typischen Symptome, die vermutlich jeder hat: Ich habe enorm viel abgenommen, hatte wahnsinnig viel Durst und musste ständig auf die Toilette. Im Nachhinein betrachtet hatte ich als Kind sehr häufig Scharlach und musste viel Antibiotika nehmen. Vermutlich war mein Immunsystem einfach von Grund auf nie das Stärkste.“

 

  1. Wie sind Deine Eltern damit umgegangen?

Ramona: „Die Diagnose war natürlich ein Schock für meine Eltern. Vermutlich mehr als für mich. Ich kannte das Wort „Diabetes“ einfach nicht und wusste nichts damit anzufangen. Ehrlich gesagt, kann ich mich nur an ein recht tränenreiches Diagnose-Gespräch erinnern, aber so gut wie gar nicht an die Zeit danach.“

 

  1. Was war das Schwerste für Dich als Kind & Jugendliche mit Typ 1 Diabetes?

Ramona: „Ich denke gerade an Geburtstage, rauschende Parties und an die trotzige, widerständige Eigenwilligkeit eines jeden Teenagers.“

Nach einer Pause fährt Ramona fort: „Tatsächlich kam es mir in der Anfangszeit nach der Diagnose alles gar nicht so schlimm vor. In der Schule fanden meine Freunde alles wahnsinnig interessant und wollten sich auch mal den Blutzucker messen oder mir das Insulin spritzen.“

„Mit der ICT in meiner Jugend kam dann auch die vermeintliche Freiheit. Ich konnte Essen und Spritzen, was ich wollte und tat das auch. Das Verhalten meines Blutzuckers war für mich oft unvorhersehbar. Ich hatte immer schon starke Angst vor Hypos: Deshalb habe ich meinen Blutzucker damals lieber höher gehalten. Dass das falsch war, wusste ich natürlich, aber ich hatte einfach zu große Angst. Im Nachhinein frage ich mich wirklich, wie ich das jahrelang mitmachen konnte – aber ich war so sehr an die hohen Werte gewöhnt.“

„Partytechnisch gab es tatsächlich nie irgendwelche großartigen Eskapaden. Ich habe recht früh angefangen, Alkohol und jegliche andere Drogen abzulehnen. Seit meinem 19. Lebensjahr habe ich nichts in diese Richtung angerührt,“ schließ Ramona ab.

 

  1. Wie haben Deine Eltern damals in der Schule Deinen Diabetes kommuniziert bzw erklärt?

Ramona: „Für die Lehrer gab es Schulungen (manche wollten es verstehen, andere – insbesondere Sportlehrer – waren oft bockig). In der Klasse kam auch mal eine Krankenschwester aus der Klinik vorbei, um meine Mitschüler aufzuklären. Grundsätzlich musste ich aber den Großteil allein erledigen. Es gab kein CGM, welches die Blutzuckerwerte ans Handy der Eltern überträgt. Es gab genauer gesagt gar kein Handy. Es war aber auch gar nicht so sehr der Plan wie heutzutage, immer im Zielbereich zu sein. Man konnte es ja auch gar nicht so genau überprüfen. Ich lernte irgendwie damit zurecht zu kommen, um in der Schule mithalten zu können.“

„Ich denke dadurch, dass meine Therapie als Kind kurz nach der Diagnose wenig Freiräume gelassen hat (feste Insulinmengen zu festen Mahlzeiten zu festen Zeiten, ob man Hunger hatte oder nicht), war ich im Endeffekt sehr gut integriert, so paradox das auch klingen mag.“

„Ich war nach wenigen Wochen wieder allein in der Schule. Meine Eltern waren beide berufstätig und kamen sicher nicht zum Insulinspritzen in der Pause vorbei. Ich habe selbstständig gemessen, gespritzt und eben gegessen, was vorgegeben war.“

 

  1. Da ich später erst an Diabetes erkrankt bin, würde es mich interessieren, wie es für Dich in der Schulzeit war? Redet man da offen drüber? Wie geht man mit seinen „schwachen Momenten“ um? Ist man automatisch vom Schulsport befreit?

Ramona: „Wie oben gesagt, wurde ja zumindest in der Grundschule direkt vor der ganzen Klasse eine Schulung abgehalten. Auch später haben meine Eltern sich immer darum gekümmert, dass alle Lehrer Bescheid wussten. Ich habe den Diabetes nie versteckt und habe mir in den Finger gestochen und mein Insulin gespritzt, wann immer es notwendig war.“

Ramona ergänzt schmunzelnd: „Tatsächlich habe ich übrigens hin und wieder hohe oder niedrige Werte vorgeschoben, um dem verhassten Schulsport zu entgehen. Irgendwie muss man doch aus so einer Krankheit ein bisschen was positives gewinnen. 😉“

 

  1. Du bist bei Dexcom tätig, tätowierst, bloggst und fotografierst nebenberuflich – stimmt das so?

Ramona: „Ich bin hauptberuflich bei Dexcom tätig, das Bloggen und Fotografieren ist mein Hobby. Ich tätowiere aber nicht, auch wenn ich durchaus schon eine Maschine in der Hand hatte.“

 

  1. Gibt es Herausforderungen mit Typ1 tätowiert zu werden?

Ramona: „Es ist nicht schwieriger aufgrund des Diabetes. Man muss nur beachten, dass es für den Körper anstrengend ist und den Blutzucker im Blick behalten. Auch mit Essen muss man aufgrund der Adrenalinausschüttung vorsichtig das Insulin dosieren.“

 

  1. Ist wegen einer Hypo beim Tätowieren schon mal was schiefgelaufen?

Ramona: „Tatsächlich nie. Ich behalte meinen Blutzucker währenddessen aber auch mit Argusaugen im Blick. Der Tätowierer weiß auch immer Bescheid, dass ein paar mehr Pausen nötig sein könnten.“

 

  1. Hast Du Dich auch schon mal im Ausland tätowieren lassen?

Ramona: „Ja, natürlich. Meine Schlange auf der Schulter ist ein Mitbringsel aus Costa Rica. Tatsächlich war der Tätowierer einer der bekanntesten im Land.“

 

  1. Du hast bei Instagram über 2.500 Fans, bei Facebook über 1.000 – damit bist Du eine echte Größe unter den Diabetes-Bloggern. Was sind die beliebtesten Posts Deiner Fans?

Ramona: „Ganz viel Unterstützung und Hilfe habe ich bekommen, als ich vor wenigen Monaten vom Pen auf die Pumpe umgestiegen bin. Der Austausch hier mit der Community war wunderbar und die Hilfsbereitschaft der Community enorm!“

 

  1. Mit welchen Fragen wirst Du immer wieder konfrontiert?

Ramona: „Es erreichen mich immer wieder Fragen zum Thema „Tattoos und Diabetes“ – und das zeigt mir, dass das Thema scheinbar echt Diskussionspotential hat! Mir kam es immer total banal vor. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich hierdurch einschränken zu lassen. Andere machen sich aber wirklich sehr viele Gedanken! Ansonsten werde ich natürlich auch sehr oft zum Thema Dexcom angeschrieben. 😉

 

  1. Als erfahrene Diabetikerin & Bloggerin liest Du sicherlich auch viele Feeds… Welche Blogs magst Du denn am liebsten? Welche Themen liest Du gerne?

Ramona: „An Instagram-Accounts kann ich Sandriabetes empfehlen, die oft mehrmals täglich aus ihrem Alltag mit Typ 1 und dem EverSense CGM postet.“

„An Blogs mach ich sehr, sehr gerne den von Lisabetes, Insulea und natürlich Type 1 Backpacker, der auch ständig irgendwo am anderen Ende der Welt rumgondelt – wie ich, nur länger.“

 

  1. Bedeutet eine Pumpe für Dich eher Freiheit oder Einschränkung?

Ramona: „Beides. Ich mag die Tatsache, mich nicht mehr 5 bis 7 Mal täglich (oder gar noch öfter) in die Haut stechen zu müssen, um meinen Blutzucker einigermaßen im Zielbereich zu halten, sondern nur noch alle zwei Tage den Katheter zu wechseln. Durch verzögerte Boli und Basalratenanpassungen hat man auch einfach viel mehr Flexibilität im Alltag.“

„In manchen Situationen, zum Beispiel beim Strandurlaub oder beim Sport, nervt mich der Gegenstand an mir aber schon. Deswegen lasse ich die Pumpe bei Strandurlauben zum Beispiel auch einfach daheim – ich habe ja genug Erfahrung mit der Therapie mit Pen, da ist es kein Problem, mal wieder wochenweise umzusteigen.“

„Ich denke nicht, dass eine Therapieform besser oder schlechter ist als die andere – nur mehr oder weniger geeignet, je nach Situation und Person. Wirklich Spaß macht’s halt mit nichts, das hat diese Krankheit so an sich.“

 

  1. Du hast Dich für eine YpsoPump entschieden. Gibt es dafür bestimmte Gründe?

Ramona: „Es war nie für mich das oberste Ziel, endlich eine Pumpe zu tragen. Ich wollte das Ganze aus Neugierde ausprobieren. Da hat durchaus der optische Aspekt für mich eine Rolle gespielt: Wenn ich schon auf einmal 24/7 einen Gegenstand mit mir herum trage, sollte der Möglichst klein, leicht und unauffällig sein.“

„Zusätzlich sollte die Pumpe meinen Anforderungen nach intuitiv zu bedienen sein. Die YpsoPump ist, meiner Meinung nach, derzeit die einzige Pumpe auf dem Markt, die den Spagat zwischen schick und funktional schafft. Alle anderen Modelle sind mir zu klobig, zu „medizinisch“.

„Gäbe es die YpsoPump nicht, würde ich vermutlich nach wie vor keine Pumpe tragen. Zwar finde ich auch einige andere Modelle interessant (beispielsweise die T:Slim aus den USA oder die Kaleido aus Großbritannien), aber wer weiß, wann diese auf dem deutschen Markt erscheinen.“

 

  1. Ich habe über Deine Kooperationen gelesen mit Ruby Limes & Hid In zum Beispiel. Wie hältst Du sie am besten auseinander?

Ramona: „Ich als Blogger und Produkttesterin, sehe mich nicht in der Rolle, mich in das Konkurrenzdenken von Firmen einzumischen. Alle Firmen haben ein Ziel: Das Leben von Diabetikern einfacher zu machen. Dass es nicht nur EIN ultimatives Produkt gibt, was Diabetikern das Leben erleichtert, ist hierbei klar. Deswegen möchte ich möglichst viele davon vorstellen. Es muss auch jeder das finden, was für ihn passt. Mein Body Band von Hid-In trage ich zum Beispiel fast täglich, dafür kann ich mich mit der Panty von Ruby Limes nur in manchen Situationen anfreunden.“

 

  1. Wie sieht die Zukunft aus, Ramona? Was erwartet uns einmal noch von Deiner Seite? Wie glaubst Du, wird sich Typ 1 weiter entwickeln?

Ramona: „Es wird in nächster Zeit einige größere Neuigkeiten geben, über die ich aber leider noch absolut nichts verraten darf! Ansonsten steht bei mir dieses Jahr noch hauptsächlich privat viel an. Ich hoffe aber, auch auf dem einen oder anderen Diabetes-Event herumzuspringen, wenn es die Zeit zulässt.“

„Als nächsten großen Schritt in der Therapie von Typ 1 sehe ich, wie viele andere auch, das ganze „Closed Loop“-Thema. Ich bin aber auch der Meinung, dass es viele, viele Jahre dauern wird, bis dies gesellschaftsfähig und für jedermann verfügbar sein wird.“

Vivi: „Ich danke Dir für Deine Zeit und Offenheit Ramona. Viel Erfolg weiterhin. Privat und beruflich!“

Habt Ihr noch Fragen

Oder  möchtet Ihr Eure Erfahrungen zum Austausch bringen?

Interessiert Euch ein Thema tiefer über das ich mal berichten sollten? Zum Beispiel das „Closed Loop-Thema“?

Schreibt mir doch einfach!

 

Eure Vivi