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Wer war ich? Wer bin ich? Wer werde ich sein?

 

Phase 1: Wer war ich?

 

Ich weiß es noch als wäre es gestern, dabei sind seither schon mehr als 14 Jahre ins Land gegangen….
Es war ca. Juni 2002. Ich war eine Anfang 20 Jahre alte, normalgewichtige, sportliche, vielseitig interessierte, junge Frau.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich an einer Hand abzählen, wann ich mal an einer Grippe oder an einem Schnupfen erkrankt war. Top fit – physich wie psychsich.

 

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann welche Symptome auftraten, aber ich erinnere mich im Nachhinein an die (eigentlich) Offensichtlichsten, die über mich plötzlich hereinbrachen.

 

Ich war beispielsweise nie ein gute Trinkerin,

doch auf einmal hatte ich unvorstellbaren Durst. Ich trank eine 1 Liter-Flasche „auf ex“ und hatte direkt im Anschluss das Gefühl wieder zu verdursten, mein Hals schien auszutrocknen und so holte mir direkt wieder etwas zum Trinken – und wieder und wieder…

 

Es war zu dieser Zeit bereits sehr gutes Wetter und ich dachte im ersten Moment, mein Durst käme von der frühsommerlichen Hitze und der alltäglichen „hin und her“-Hetzerei. Teilweise hielt ich es vor Durst nicht mehr aus und rannte zur Toillette, um den „Wasserhahn leer zu trinken“.

 

Innerhalb einer Woche steigerte sich mein Trinkverhalten auf bis zu 11 Liter Flüssigkeit auf 24 Stunden.

 

Durch ständigen Durst kam ein erhöhter Harndrang und dadurch wiederum schlief ich keine Nacht mehr richtig durch. Nach wenigen Tage war ich so erschöpft, dass ich hätte überall in Sekundenschlaf fallen können. Doch das machte mir immer noch keine Bedenken – ich hielt es für eine logische Konsequenz.

 

Auf einmal verschlechterten sich auch meine Augen massiv.

Als ich meinen eigenen Vater auf der anderen Straßenseite nicht mehr erkannte, begann ich zum ersten Mal, mir Sorgen um meine Gesundheit zu machen. Einen plausiblen Zusammenhang zwischen all diesen Symptomen erschien mir jedoch (immer noch) nicht.

 

Ich ging schließlich nach ca. zwei Woche zu meiner Ärztin und schilderte ihr die Vorkomnisse. Im Grunde wollte ich einfach nur ein Attest, um mich ausruhen zu können, weil ich der schlichten Überzeugung war, dass die Syptome Resultat purer Erschöpfung waren.

 

Nach einem Blutzuckertest mit über 270mg Zucker im Blut ging es für mich jedoch noch am selben Tag Ihnenekt ins Krankenhaus und nachfolgend für einen Monat in die diabetische Rehaklinik in Bad Mergentheim (die ich sehr empfehlen kann).

 

Ich ahnte nicht, dass dies der Weg in ein neues Leben für mich sein würde…..

 

Typische Symptome für Diabetes Typ 1:

  • Häufiges Wasserlassen: Der Körper versucht bei Diabetes, den vermehrt im Blut vorhandenen Zucker über den Urin auszuscheiden. Betroffene haben deshalb einen verstärkten Harndrang (Polyurie).
  • Starke Durstgefühle: Ein verstärkter Harndrang kann einen Wassermangel zur Folge haben. Betroffene verspüren dann ein erhöhtes Trinkbedürfnis.
  • Trockene oder juckende Haut: Eine trockene Haut kann ein erstes Anzeichen eines Diabetes sein. Auch sie entsteht, wenn der Körper verstärkt Zucker über den Urin ausscheidet und dabei Flüssigkeit verliert.
  • Müdigkeit: Ein erhöhter Blutzuckerspiegel führt dazu, dass Betroffene sich oft schlapp und antriebslos fühlen.
    Gewichtsverlust: In manchen Fällen kommt es bei Diabetes zu Gewichtsverlust.
  • Dieser ist zum einen auf den Flüssigkeitsverlust in Folge des verstärkten Harndrangs zurückzuführen. Eine weitere mögliche Ursache ist, dass die Zellen ihren Energiebedarf wegen der verschlechterten Blutzuckerverwertung nicht mehr ausreichend abdecken können und der Körper auf Fettdepots zurückgreift.
  • Wunden verheilen schlechter: Bei einem Diabetes ist oft das Immunsystem geschwächt. Das und eine schlechtere Durchblutung der Haut tragen dazu bei, dass Wunden langsamer verheilen.

  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen:
  • Erhöhte Blutzuckerspiegel belasten das Immunsystem. Diabetiker sind deshalb anfälliger für verschiedene Infektionskrankheiten, etwa Fußpilz, Harnwegsinfektionen, aber auch Erkältungen und grippale Effekte. Parodontitis tritt bei Diabetes ebenfalls häufiger auf.
  • Atem riecht nach Azeton: Ausschließlich beim Typ-1-Diabetes kann sich ein Azetongeruch im Atem bemerkbar machen, der an überreifes Obst erinnert. Gelangt nicht ausreichend Zucker in die Zellen, baut der Körper Fettzellen ab. Dabei entsteht unter anderem Azeton. Es ist Zeichen eines starken Insulinmangels, der in eine Ketoazidose und im schlimmsten Fall in einem diabetischen Koma münden kann.

Quelle: Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG, Apotheken Umschau: Diabetes Ratgeber.

 

Phase 2: Wer bin ich?

 

Hätte man mir zuvor gesagt, ich müsse mich ein Leben lang spritzen, ich hätte vermutlich erwidert, dass ich lieber sterben würde als so etwas über mich ergehen zu lassen. Ich fand Spritzen schon immer furchtbar und beim Blutabnehmen schaue ich bis heute weg und beginne unsinnige Konversationen mit den ärztlichen Helferinnen, um davon abgelenkt zu werden.

 

Während der Insulineinstellung im Krankenhaus litt ich entsprechend furchtbar unter den ständigen und regelmäßigen Blutabnahmen.

 

Morgens, mittags und abends wurde Blut abgenommen, Belastungstests, Kohlenhydratmessungen, Insulinspritzen usw. Man bemühte sich festzustellen, wie viel Einheiten Insulin ich für die aufgenommenen Kohlenhydrate brauchte und wie diese mein Körper bei verschiedenen Tätigkeiten verarbeitet.

 

Die Krankenschwestern flöteten immerzu, wie schnell man sich daran gewöhnen würde….

An das Spritzen gewöhnt man sich nach einer Weile unter Übel, aber alles andere, was zu dieser Krankheit dazu gehört, ist und bleibt ein steter Kampf – vor allem mit sich selbst.

 

Sich zum ersten Mal die Spritze in den Bauch „zu rammen“ ist unglaublich schwer. Man ist überwältigt von irrationaler Angst davor. Am Anfang kennt man noch nicht die richtigen Stellen und Griffe an seinem Körper oder den schmerzfreiesten „Einstech-Grad“. Man hat einfach noch kein Fingersp(r)itzengefühl.

 

Realisiert man kurz darauf, dass dies nun für immer lebensnotwendig für einen ist, erlebt man die pure Verzweifelung. Ich habe bei mir und anderen folgende Phasen in meiner Erkrankung erlebt und nachvollzogen:

 

Sätze von Freunden und Angehörigen, die versuchen während des „Realisierungs- und Akzeptanzprozesses“ die Krankheit des Betroffenen zu verharmlosen, um Trost zu spenden, sollten sich mit ihren „gut gemeinten Kommentaren“ zurückhalten, denn es kann den Erkrankten unwillentlich aggressiv machen.

 

Berücksichtigen Sie die fünf vorgestellten Phasen und erkennen Sie an, dass keiner – außer der Betroffene selbst – weiß wie es sich anfühlt und was für ein Leben / eine Lebensaufgabe man vor sich prangen sieht.
Weder während der Diagnose noch im weiteren Verlauf der Erkrankung brauchen Diabetiker eine Kommentierung der Krankheit oder des Umgangs dessen von unserem gesunden Umfeld.

 

Phase 3: Wer werde ich sein?

 

Bereits als junger Mensch Abschied zu nehmen von Zielen, Träumen und Wünschen, denen Gleichaltrige ohne Zögern oder Nachdenken nachgehen können, ist hart. Doch je nachdem in welchem Alter man an Diabetes Typ 1 erkrankt ist genau das ein Gefühl, welches man erlebt.

 

Ich wollte z. B. einst Pilotin werden. Doch mit der Diagnose „Diabetes Typ 1“ war der Traum vom Fliegen schneller vorbei als er begonnen hatte.

 

Auf der Suche nach beruflichen Alternativen bemerkte ich, dass man mit Diabetes Typ 1 keinerlei Berufe ausüben darf, bei denen man Verantwortung für andere Menschenleben hat und wo man praktisch nicht zu jeder Zeit seine Tätigkeit kurz unterbrechen und den Zucker kontrollieren und regulieren kann. Zu solchen Berufen zählen z. B. Busfahrer, Lockführer, Straßenbahnfahrer, Piloten, Fluglotsen, Berufstaucher und sogar Polizisten.

 

Trotz revolutionärer Behandlungsmethoden heute sehen die meisten Arbeitgeber und Unternehmen ein großes Risiko darin, dass es infolge einer Unterzuckerung zu einer Bewusstseinstrübung kommen könnte. Immerhin tragen Polizeibeamte Waffen oder steuern Fahrzeuge mit Sondersignal durch den Verkehr.

 

Erfährt man als Diabetiker Typ 1 von seinen beruflichen Einschränkungen bringt es natürlich nichts, wenn man den Kopf in den Sand steckt – auch wenn das in erster Instanz genau das ist, was vermutlich jeder tut. Man fühlt sich benachteiligt, ungerecht behandelt und beurteilt, sieht und empfindet das Risiko anders als Außenstehende.

 

Was einem bleibt sind gewisse Fähigkeiten und Potentiale, die einem auch der Diabetes nicht nehmen kann!

 

Im nächsten Blog gebe ich Euch Tipps diese Potentiale zu analysieren und seine „alten Wünsche“ neu zu ordnen, um mit einem anderen Berufsbild diesen nahe zu kommen. Im Grunde ist es nichts anderes als sich ein neues Ziel zu setzen, wofür man ein anderes verabschiedet.

 

Wie war es bei Euch als Ihr Diabetes bekommen habt oder Euer Partner oder Kind?

Woran habt Ihr es gemerkt und was ist dann passiert?

 

Viele Grüüße

Eure Vivi