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Diabetesaufklärung:

Wie sage ich es in der Schule / in der Ausbildung / im Studium / im Job?
*nicht kleckern, sondern klotzen*

 

Wenn ich eines gelernt habe in den letzten Jahren, dann, dass es vorteilhaft – und keinesfalls beschämend – für mich ist, wenn so viele Leute wie möglich von mir und meinem Diabetes wissen.

 

Natürlich will (und soll) man nicht permanent von seinem Diabetes faseln, die Leute mit den „Höhen und Tiefen“ (unserer Blutzuckerwerte) konfrontieren, die sie unmöglich nachvollziehen können. Es bringt auch nichts in die Details zu gehen und über Medikamentierung, Spritztechniken oder Messwerte abzuschweifen. Die meisten unserer Mitmenschen reagieren bei zu viel Informationen schnell gelangweilt oder gehen aufgrund Ekelvorstellungen in Verbindung mit Blut, Spritzen und ähnlichem direkt auf Distanz.

 

Es ist eine Gradwanderung für uns Betroffene, möglichst vielen Menschen in unserer Umgebung von unserer Erkrankung mitzuteilen und sie zu sensibilisieren, ohne ab sofort als krank abgestempelt, ignoriert oder „besonders“ behandelt zu werden.

 

Daher mein Tipp:

 

Der Kommunikation unseres Diabetes sollte eine genaue Zielsetzung vorausgehen und darauf folgend müssen wir unsere Empathie überlegt, akkurat und methodisch einsetzen. Genau genommen geht es um das zeit- und mundgerechte „Platzieren unserer Geschichte“ als effektvoller Reiz, der instinktiv Neugierde und Interesse bei unserer Umgebung weckt anstatt negative Gefühle wie Mitleid oder gar Ekel. Hierdurch können wir mit unserer Kommunikation wichtige Informationen über unsere Erkrankung offenbaren und mitteilen, die nachhaltig verstanden und berücksichtigt werden wird.

 

Empathie zu erlernen ist schwer, denn es ist etwas, was wir alle in uns tragen – mal stärker und mal schwächer ausgeprägt. Darüber hinaus hängt die Empathiestärke auch von unserer eigenen Selbstwahrnehmung ab. Es ist die Fähigkeit Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Das ist notwendig, um die eben angesprochene Kommunikation unserer Erkrankung erfolgreich zu steuern. Setzen Sie sich zunächst mit den Vorteilen auseinander, die entstehen, wenn möglichst viele Menschen in Ihrem Umfeld von Ihrem Diabetes wissen?

 

Sicherheit

 

Weiß Ihr Umfeld, um mögliche diabetische Risiken und Symptome wie man beispielsweise einen Unterzucker bemerkt und was man dagegen im Notfall tun sollte, gewinnen Sie an „doppelten Boden“, wenn es Ihnen mal nicht gut geht oder Sie sogar umkippen sollten.

 

Respekt & Rücksichtsnahme

 

Bringen Sie Ihre Erkrankung „stark“ rüber, zollt man Ihnen Respekt für all‘ Ihre Tätigkeiten und Anstrengungen wie z. B. Ihr Arbeitstempo, Ihre Überstunden oder andere „besondere“ Leistungen.

 

Ernten Sie Lob für Ihr „Normal-Sein“, so erringen Sie gleichzeitig mehr Rücksicht, wenn Sie an schwachen Tagen runterfahren und es langsam angehen lassen, zu extra Arztbesuchen müssen usw..

 

Toleranz & Akzeptanz

 

Sie brauchen eine Pause mehr, weil Sie Ihren Blutzucker messen müssen, häufiger auf die Toillete gehen oder periodisch vermehrt mit Über- oder Unterzucker kämpfen?

 

Oder haben Sie mal Ihr Blutzuckermesserät vergessen, mussten daraufhin zurück nach Hause fahren, sind verspätet zu Terminen oder auf die Arbeit gekommen?

 

Weiß man um Ihre Erkrankung und die damit in Verbindung stehenden Hürden, werden Sie in Ausnahmesituationen i.d.R. mit durchgehender Toleranz und Akzeptanz belohnt.

 

Wie Sie eventuell bemerkt haben, spreche ich bei der Ausführung der möglichen Vorteile vermehrt von „Stärken“. Eine meiner Grundregeln – die auch Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation ist – besagt: Lassen Sie sich durch Ihren Diabetes niemals unterkriegen und machen Sie sich jederzeit messbar mit (gesunden) Kollegen/innen oder auch Freunden/innen und Familienmitglieder – trotz gelegentlicher „Handicaps“.

 

Denken Sie jetzt genauestens darüber nach, wem Sie selbst gerne zuhören und bewundern?

 

Ist es der klagende Kranke?

 

Oder sind es diejenigen, die aus Ihrer Krankheit das Beste machen, eventuell sogar besondere Fähigkeiten entwickeln wie „das Malen mit Füßen“, wenn man keine Arme mehr hat?

 

Sind es Menschen, die „monoton“ und voller Selbtsmitleid von immer denselben dramatischen Geschichten, grausamen Erfahrungen und traurigen Lebensereignissen erzählen?

 

Oder sind es vielmehr jene, die alleine mit Ihrer Fähigkeit zu erzählen einen in den Bann ziehen – ob lustig, spannend, theatralisch, sarkastisch, parodisch, kritisch….

 

Ein besonderer Erzählstil – ohne Trauer oder Depression in der Stimme -, der sich abhebt von der Mehrheit gewinnt immer Zuhörer…. egal, welche Art Geschichte gerade vermittelt wird. Diese Fähigkeit trennt sich natürlich auch signifikant von jeglichem Monotonismus und Selbstmitleid und strahlt hingegen Stärke und Selbstsicherheit aus. Eigentschaften, die Mitmenschen magisch anziehen.

 

Einflussreiche Menschen sind und waren immer gleichzeitig gute Redner, die das Denken ihrer Zuhörer selbst dann inspirieren, wenn diese nicht sonderlich an dem vorzutragenden Thema interessiert sind.

 

Wenn Worte ein gewisses Engagement und Zuversicht vermitteln, beginnen Sie Ihre Mitmenschen zu inspirieren und Ihren Diabetes damit – unterschwellig – wirkungsvoll zu kommunizieren und Ihr „unwissendes Umfeld“ zu coachen.

 

Wie ist Ihre Sicht der Dinge oder Erfahrung in diesem Bereich?

 

Liebe Grüße

Eure Vivi